Karst

Der Karst ist eine Landschaft, die vorwiegend durch Lösen des Gesteins entstanden ist, wobei ein oberirdisches Entwässerungsnetz weitgehend fehlt. In der Schweiz sind das vor allem Gebiete, in denen sich Kalkgestein an oder nahe der Oberfläche befindet. Kalk löst sich zwar schlecht in reinem Wasser ist aber gut löslich in saurem Wasser. Für die Entwicklung von Karst ist die Kohlensäure (CO2) verantwortlich, die es in der freien Atmosphäre in geringen Konzentrationen (0.04%) hat, aber in Böden bis zu ca. 5%. Regenwasser kann die Kohlensäure aufnehmen, wird sauer und kann Kalk lösen, was Karstlandschaften und Höhlen entstehen lässt. Diese chemische Auflösung nennt man Korrosion. Auch Gips ist wasserlöslich und damit verkarstungsfähig.

Karstlandschaften und Karsthöhlen sind weit verbreitet  (in der Schweiz der ganze Jurabogen, Voralpen, …) und die meisten Höhlen der Schweiz haben sich in Kalk entwickelt, wenige in Gips.

Karstgeomorphologie

Die Karstgeomorphologie beschreibt die typischen Erscheinungsformen wie Karren, Dolinen und Höhlen.

Beispiele aus der Gamsalp

Karsthydrogeologie

Die Karsthydrogeologie beschreibt Funktion des Karstes bezüglich Leitung und Speicherung des Wassers.

Viele Höhlen beginnen ihre Entwicklung unter dem Karstwasserspiegel, im phreatischen (wassererfüllten) Bereich. Beim Absinken des Wasserspiegels (z.B. Taleintiefung durch eine Eiszeit) bilden sich die Zubringer in der lufterfüllten (vadosen)  Zone. Die oft kleinen Verbindungen zwischen der Oberfläche und der Quelle werden vor allem in der epiphreatischen Zone, die nur bei Hochwasserbedingungen gefüllt ist, zu grossen Höhlen erweitert. Ein moderner Bereich der Karstforschung ist die Modellierung, wie sich ein Karst von einer grossen Kalkstein-Brocken zu einem wasserleitenden Gebiet mit Höhlen entwickelt. Ein weiteres Forschungsthema betrifft den Inception Horizon (Höhlenentstehung entlang Schichtfugen), d.h., dass sich ein Kalkgebirge vor allem entlang von wenigen Schichtfugen entwickelt.

Der Höhlenforscher ist der einzige Wissenschaftler, der den Wasserwegen ins Bergesinnere folgen kann, um an deren Quelle zu gelangen.

Mehr über Karst

AGS-Arbeiten zum Karst

  • Filipponi M. (2009) – Höhlenentstehung entlang Schichtfugen, AGS-Info 2/09, S. 44-51.
  • Filipponi M.  & Jeannin P.-Y. (2008) – What makes a bedding plane favourable to karstification?, Proceeding of 4th European Speleological Congress,Vercors, S. 32-37 (In Englisch über Inception Horizon).
  • Stünzi, H. Epikarst Gamsalp, Vortrag am SGH-Wintertreffen 2006.
  • Filipponi M. (2006) – Karstwanderführer Gamsalp, Verlag Gemeinde Grabs.
  • Stünzi H. (2001) – Kristallhöhle Kobelwald (SG) – Stand der Untersuchungen. AGS-Info 1/01, S. 21-26 und Akten des 11. Nationalen Kongress für Höhlenforschung,15.-17. Sept. 2001, Genf, Seiten 235-240.
  • Stünzi H. (1998) – Wasser aus Schwybachhöhle und Chienberg (SG). AGS-Info 1/98, S. 17-21.
  • Stünzi H. (1993) – Quelluntersuchungen am Chruter und Umgebung von 1991 (GL). AGS-Info 1/93, S. 21-22.